I ch war gerade mal 26 Jahre
alt und hatte Familie. Meine Frau teilte mein Hobby aber meine Eltern konnten
immer noch keine Begeisterung dafür aufbringen, das ein Familienvater sich als
Indianer verkleidet um den Indianer zu mimen und nachzuempfinden. Aber für uns,
die wir uns dem Indian.- und Westernhobby verschrieben hatten, ging natürlich
im Laufe der Zeit eine Wandlung vor, von der einfachen Indianerbegeisterung
mit Trachten ala Sarrassani bis hin zur ethnologischen Denkweise und dem Versuch
Tänze, Bräuche, Kleidung und Utensilien so stilecht wie möglich nachzugestalten.
Nach einer einjährigen Kandidatenzeit wurde ich als ordentliches Mitglied in
der Gruppe "Old Manitou" aufgenommen. Unser damaliges Domozil befand
sich auf dem ehemaligen Verlagsgelände des Karl-May-Verlages in Radebeul.( heute
wieder im Besitz der Familie Schmidt ).Wir besaßen hier einen Saloon und später
kamen noch einige kleine Hütten dazu.
Ich wurde alsbald als Schriftführer in
die Gruppenleitung berufen. Was für mich in der kurzen Zeit meiner Mitgliedschaft
ein große Ehre war, aber auch eine nicht gerade leichte Aufgabe gegenüber
den älteren Vereinsmitgliedern und ihren Einstellungen. Nach den verschiedenartigsten
Disputen mit einzelnen Mitgliedern wechselten die Häuptlinge des öfteren, so
wurde ich im April 1973 zum Häupling der Gruppe berufen. Höhepunkte
in unserem Vereinsleben war immer das jährliche Council, welches jedes
Jahr von einer anderen Gruppe in der damaligen DDR (neue Bundesländer)
ausgerichtet wurde. Es war ein vielgestaltiges Treffen vom Indianer bis hin
zum Cowboy voller Erlebnisse und Gespräche, die Gruppen warteten immer
mit einem neuen Tanz auf, der dann bewertet wurde, meistenteils verwendeten
andere Gruppen dann auch diese Tänze. Unser Indian-Day, der immer Anfang
September durchgeführt wird, ist ein Gedenktag für unsere Wahlverwandten
(den Indianern) aber auch gleichzeitig für schon verstorbene Vereinsfreunde.
Er wurde erstmalig 1956 von unserer Gruppe durchgeführt.
W ir mußten
aber auch unser Hobby und unseren Verein finanzieren. Das erreichten wir, indem
wir durch die Lande reisten und den Menschen unser Hobby vorstellten und den
Indianer als den Menschen darstellten der er wirklich war. Unser Programm beinhaltete
einen indianischen Teil mit indianischer Volklore wie zB. Tänze und einen
Westernteil mit Peitschenarbeiten, Messerwerfen und Lassoarbeiten.Wir traten
zu Pressefesten, Volksfesten, Betriebsfeiern in Schulen auf. Einen großen
Auftritt hatten wir 1977 in Lodz in Polen bei der Lodzer Arbeiterzeitung. Ja
und zu meiner Leitungtätigkeit muß ich sagen, es waren alles langjährige
Vereinsmitglieder und ich wollte und konnte mich mit manchen Dingen nicht indentifizieren
und damit konnte ich auch den Vorsitz nicht weiter akzeptieren. Ich holte ein
ehemals Vereinsmitglied , Fred Metasch (Yellow Thunder ) wieder in den Verein,
der dann das Amt des Häuplinges ab Nov.1974 viele Jahre durchführte,
ich arbeitete weiter als Schriftführer und Stellvertreter mit kurzer Unterbrechung
in der Vereinsleitung.
1979 zogen wir nach vielen Querelen mit
den Behörden und einem an mich gerichtetes Ultimatum zwecks Auflösung
oder aber Anschluss der Gruppe an das damalige Kreiskulturhaus "Völkerfreundschaft"
Radebeul , auf die Höhen von Radebeul, nach Lindenau. Wir hatten auch eine
saubere Lösung über unsere Selbstbestimmung mit dem Kreiskulturhaus
für uns gefunden, mit der wir leben konnten. Dort erbauten wir mit viel
Geduld und Spucke eine kleine Westernstadt mit Saloon und kleinen Blockhäusern.
1981 feierten wir die Einweihung von "Stetson City", so nannten wir
unsere kleine Westernstadt. Wir hatten es geschafft uns einen Traum zu erfüllen,
wir hatten als erste Gruppe in der damaligen DDR ein Domozil von solcher Größe
und Möglichkeit. Dieses war auch dem Organisationstalent von Fred Metasch,
unserem damaligen Chief zu verdanken. Fred Metasch zog es wieder gen Westen, nach Bayern
der Heimat seiner Frau. So übernahm ich 1981 doch das Amt des Häuptlings.
Wir organisierten 1983 und 1986 unsere
ersten Councils auf diesem unserem neuen Gelände, es kamen viele Indianerfreunde
aus dem damaligen Ostblock, dabei waren auch Freunde aus Ungarn und Tschechien
anwesend. In den folgenden Jahren verbesserten
wir unser Gelände .
1987 nahmen wir am neuentstandenen Ponyexpress
in der Tschechoslovakei teil und die tschechischen Freunde machten uns den Vorschlag,
es in der DDR mitzutragen. Unser Verein wäre mit dieser neuen Richtung
des Hobbys überfordert gewesen, denn wir hatten bereits zu viele Richtungen
im Hobby außer unserem großen Anliegen, der Indianer.Feste
Ich habe die Verbindung mit Rohland Schrock von der Berliner Gruppe (The Plains
Riders) gesucht, die schon im Pferdesport bewandert waren und es außerdem
als Westernhobby betrieben. Ihnen haben wir die Verträge übergeben.
Bis heute ist der Ponyexpress in guten Händen und wurde erweitert.
1989 Wendezeit in Deutschland, für
uns die Gelegenheit uns neu zu profilieren. Wir packten die Gelegenheit am Schopf
und trennten uns vom Kreiskulturhaus "Völkerfreundschaft" in
Radebeul und wurden zum Indian.-
und Westernclub "Old Manitou" 1956 e.V. Radebeul
und ich entwickelte ein neues Vereinslogo. Namen und Logo wurden von der Mehrheit
des Vereins mitgetragen. Wir schafften uns eine Vereinssatzung, so wurden wir
am 13.Juni 1990 vom Vereinsgericht eingetragen.1991 feierten wir auf unserem
Gelände das 10jährige Bestehen von "Stetson City" mit vielen
Hobbyfreunden. Nach 10 Jahren als Häupling und nach dem Verlust meines
Stellvertreters (Ren in the Face) Jürgen Mosch habe ich mich in die zweite
Position gestellt, um mir eine gewisse Auszeit zu verschaffen und um neue Kraft
zu schöpfen.In dieser Zeit haben wir das Auftrittsprogramm mit Auftritten
zum Karl-May-Fest in Radebeul bereichert. Weiterhin Kinderfeste durchzuführen
brachte aber nicht den erhofften Erfolg.
Wir traten dem Westernbund bei, in der
Annahme, dies ist für den drittältesten Verein in Deutschland eine
Bereicherung. Wir waren auch einige Jahre dabei, bis wir beschlossen, dieses
für uns unpersönliche Treffen nicht mehr mitzutragen. Nach vierjähriger
Pause wurde mir erneut der Chiefposten angetragen. Es standen Festlichkeiten
an: "Old Manitou feierte 1996 das 40jährige Bestehen. Es wurde ein
großer Erfolg für unseren Verein und für Hobbyfreunde unterschiedlichster
Stilrichtung. Foto Desweiteren waren wir mitlerweile 15 Jahre auf diesem
Gelände ansässig. Ich wechselte noch zwei Mal aus persönlichen
und gesundheitlichen Gründen in den 2. Vorstand. Seid 2005 habe ich wieder
den Status als Chief inne, gleichzeitig habe ich im Jahre 2000 nach dem Tod
des Oldchiefes und Wiederbegründer der Gruppe von Powder in the Face (Johannes
Hüttner) dieses Ehrenamt übernommen.
Chief Red Mocassin & Oldchief
Powder in the Face Oldchief Red Mocassin ab dem 2000
Väter
und Söhne: Sohn Torsten mit Sohn Alex Sohn
Marcel
2004 traten wir dem Weekbund bei, da
sowieso ein Teil unserer Mitglieder über andere Gruppen teilnahmen . Unser
Verein war seid Anbeginn ein vielgestaltiger Verein, (siehe Feste). Der Indianday
ist rein indianischen Ursprungs, im Gegensatz dazu das Trappertreffen, zu dem
selbst Soldaten zu sehen sind. Deshalb ist die Indianweek ein schöner Ausgleich,
eine ganze Woche nur Indianer! Im Jahre 2006 feiern wir unser 50jähriges
Bestehen des Vereines, wir sind gleichzeitig 25 Jahre in "Stetson City"
ansässig und 75 Jahre ist die Gründung des 1.Indian.- und Cowboyclub
zu Dresden her. Ich bin stolz darauf, eine Zeit diesen unseren Verein mitgeführt
zu haben, immerhin 36 Jahre in der Gruppenleitung davon, 16 Jahre als Häuptling
der Gruppe und ich hoffe, dass ich etwas mitbewegt habe. Häupling sein
ist immer wie ein Bootslenker mit Gegenwind. Wir werden sehen, was die Zukunft
für uns "Old Manitou" bereit hält.
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